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Kraniche beim Balzgesang

Tierwelt: Der Kranich

Der Graue Kranich (Grus grus) ist von Mittel- und Nordeuropa bis nach Ostasien verbreitet. Er gilt in allen Erdteilen über Länder- und Glaubensgrenzen hinweg. als Vogel des Glücks, der Weisheit und der Wachsamkeit. Dennoch sind viele der 15 auf der Welt vorkommenden Kranicharten gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht.


Brandenburg ist mit mehr als 1.600 Kranichpaaren, das sind fast ein Drittel aller Brutpaare in Deutschland, nach Mecklenburg-Vorpommern das wichtigste Verbreitungsgebiet. Die höchsten Brutbestände finden sich in den seen- und moorreichen Landschaften Nordostbrandenburgs, vor allem im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und Naturpark Uckermärkische Seen. In den letzten Jahrzehnten besiedelte der Kranich auch zunehmend renaturierte Bergbaufolgelandschaften in der Lausitz.
Geeignete Brutbiotope sind Flachwasserbereiche in Mooren, Erlen- und Birkenbrüchen, an Seerändern und Teichen. Besonders bevorzugt werden störungsfreie Brutgebiete in Waldrandnähe. Für die Entwicklung der Kranichpopulation sind der Erhalt und die Wiederherstellung von Feucht- und Sumpfgebieten von zentraler Bedeutung. Aber auch die Entwicklung der Landwirtschaft spielt eine große Rolle, vor allem für durchziehende und rastende Kraniche. Innerhalb und im Umfeld der Linumer Teiche rasten alljährlich im Herbst bis zu etwa 80.000 Kraniche. Diesen größten binnenländischen Kranichrastplatz in Mitteleuropa, der auch für Gänse und Entenvögel von Bedeutung ist, sichert der Arbeitskreis Kranichschutz Rhin-/Havelluch seit Jahren mit großem Erfolg.

So werden Grünlandflächen und Teiche im Frühjahr und Herbst geflutet. In Kooperation mit den Landwirten wird ein Schadensmanagement betrieben. Von Bedeutung ist hierbei eine Landschaftswacht, die seit 2003 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme realisiert wird (Träger: NOVAreg Hennigsdorf, Stützpunkt: Naturschutzstation Rhinluch). Im Storchendorf Linum können sich Besucher in der NABU Storchenschmiede und in der Naturschutzstation Rhinluch über den aktuellen Vogelzug informieren sowie saisonale Exkursionsangebote nutzen. Ein Rundweg im Teichgebiet, Beobachtungskanzeln und –plattformen laden zu eigenen Erkundungen der Teich- und Moorlandschaft nahe Linum ein. Nichtbrütende Altvögel und übersommernde Jungkraniche halten sich in übersichtlichen Acker- und Grünlandgebieten auf.

Mit der Ernte und dem reichen Nahrungsangebot auf Stoppelfeldern beginnt die Sammelperiode in traditionellen Sammelgebieten. Neben den Äsungsflächen ist ein störungsfreier Schlafplatz in einem übersichtlichen Flachgewässer von großer Bedeutung. Ab Mitte August kommen aus den Brutgebieten auch die Kranichpaare mit ihren Jungvögeln hinzu. Bis Anfang Oktober sammeln sich so alle Kraniche einer Region auf diesen traditionellen Plätzen.


An traditionellen Rastplätzen steigt aufgrund des Zuzuges aus den östlichen und nördlichen Verbreitungsgebieten die Zahl rastender Kraniche stark an. Ab Mitte Oktober beginnt der Abzug ins Winterquartier. Die Kraniche Mittel- und Nordeuropas ziehen auf der westlichen Zugbahn über Frankreich nach Spanien, um in den Steineichen-Dehesas der Extremadura zu überwintern. Im Zuge immer milderer Winter verkürzen sich jedoch die Zugwege, und es verbleiben sogar immer mehr Kraniche in Mitteleuropa. Mittlerweile sind einige Tausend überwinternde Kraniche in Brandenburg die Regel. Aus den übrigen Wintergebieten kommen die Vögel je nach Wetterlage Mitte Februar bis Anfang März in die Brutgebiete zurück. Die rastenden Kraniche im Frühjahr sind hauptsächlich Tiere der skandinavischen Population. Kurz nach der Rückkehr und der Besetzung der Brutreviere beginnen die Kranichpaare mit der Balz. Das schmetternde Trompeten, ein Duett beider Brutpartner, und das Tanzen sind auffällige Verhaltensweisen, die vor allem der Reviermarkierung dienen.

Brütendes Kranichpaar

Ab März beginnt die Brutperiode. In geeigneten Flachwasserbereichen werden auf einem Nest 2 Eier gelegt. Nach einer Brutdauer von etwa 1 Monat schlüpfen die beiden Jungvögel und verlassen als Nestflüchter schon nach kurzer Zeit das Nest. Sie werden von den Altkranichen geführt und in den ersten Tagen in Nestnähe vor allem mit Insekten gefüttert. Nach 2 bis 3 Wochen werden bei der Suche nach Nahrung größere Ausflüge unternommen und an das Brutgebiet angrenzendes Grünland oder Felder aufgesucht. Mit 9 bis 10 Wochen sind die Jungkraniche flugfähig und verlassen ab Mitte August mit ihren Eltern die Brutplätze, um sich auf den Sammelplätzen den Rastgruppen anzuschließen.
In den 1970er Jahren hatte der Kranichbestand in Mitteleuropa einen Tiefpunkt erreicht. Hauptursachen für den dramatischen Rückgang war Lebensraumzerstörung insbesondere durch Entwässerung, Grundwasserabsenkung, Feuchtwiesen- und Grünlandumbruch, Fließgewässerausbau und Trockenlegung von Mooren. Inzwischen hat sich die Zahl der in Deutschland brütenden Kraniche fast vervierfacht. Für Deutschland nennt die Rote Liste von 2007 inzwischen 5.200 bis 5.400 Brutpaare. Die Ursachen dieses Bestandsanstieges liegen in einer Verstärkung der nationalen und internationalen Schutzmaßnahmen, höheren Rückkehrquoten aus den Überwinterungsgebieten, einer besseren Anpassung des Kranichs an die derzeitige landwirtschaftliche Nutzung und in einem veränderten Zug- und Überwinterungsverhalten.


Neben Schutz und Wiederherstellung von naturnahen Flussniederungen, Niedermooren, extensiv genutztem Feuchtgrünland und staunassen Bruchwäldern haben sich als wichtige Schutzmaßnahmen auch die Erhaltung traditioneller, extensiver Landwirtschaft in den wichtigen Überwinterungsgebieten, z. B. in Spanien, erwiesen. Die Ausweisung von Horstschutzzonen, der Schutz der Brut- und Rastgebiete vor Störungen durch Besucherlenkung und durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit haben ebenfalls zu einer Sicherung der Bestände beigetragen. Sofern die derzeitigen Schutzbemühungen fortgesetzt werden, ist eine weitere positive Entwicklung der Population zu erwarten.

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23.04.2009

Kontakt:
Landesumweltamt Brandenburg, Abteilung Ökologie, Naturschutz, Wasser, Referat Ö2 - Natura 2000, Arten- und Biotopschutz / Staatliche Vogelschutzwarte, Torsten Langgemach, Tel.: 033 878/ 602 57, E-Mail: Vogelschutzwarte@LUA.Brandenburg.de