Reden
Anita Tack, Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutzam 18.10.2011
Rede auf der Fachtagung "Erneuerbare Energien in der Praxis, umweltfreundliches und nachhaltiges Handeln" im Rahmen der 2. Brandenburger Wirtschaftstage in Centru
Sehr geehrte Damen und Herren
Ich freue mich, dass ich heute bei Ihnen hier über die Brandenburger Erfahrungen mit erneuerbaren Energien berichten darf. Wir, die Region Centru und Brandenburg, stehen vor gleichen Herausforderungen: Die Begrenzung der globalen Erwärmung, die eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist.
Wir sind uns in der Weltgemeinschaft einig, dass wir die schädlichen Klimagasemissionen bis zum Jahr 2050 auf ein Zehntel des Umfangs von 1990 reduzieren müssen, um die sich bereits vollziehende Erwärmung der Erde auf zwei Grad zu begrenzen.
Dieses Ziel - ich denke, da sind wir uns auch einig - ist letztlich nur durch die weitgehende Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energieträger zu erreichen. Auch wenn wir in Brandenburg wissen, dass wir noch über Jahre Hinweg mit der Braunkohle und der Braunkohleverstromung leben und diese Energieform als Brückentechnologie nutzen müssen.
Aus Brandenburger Sicht ist der Ausbau der erneuerbaren Energien der richtige Schritt in die Zukunft. Das Land Brandenburg nimmt bereits seit Jahren bei dieser Transformation einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Sowohl 2008 wie auch 2010 wurde das Land Brandenburg als bestes Bundesland dafür mit dem Leitstern der Agentur für erneuerbare Energien ausgezeichnet. Und 2010 wurde Brandenburg Sieger im Ländervergleich bei der Nutzung der Geothermiewärme mittels Wärmepumpen.
Das sind große Anerkennungen, auf die wir stolz sind. Und da wir schon so gut sind in der Windeenergie, in Photovoltaik und Geothermie, wollen wir diesen Platz natürlich in den nächsten Jahren zu verteidigen.
Uns ist es offenbar durch eine zielgerichtete Landespolitik frühzeitig gelungen, Unternehmer, Investoren und Wissenschaftler zu überzeugen, ihre Ideen gerade in Brandenburg zu verwirklichen. Inzwischen hat sich auf dieser Grundlage ein erfolgreicher Wirtschaftszweig mit mehr als 12.000 Arbeitsplätzen entwickelt. Heute deckt Brandenburg bereits ca.16 Prozent seines Primärenergiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. Beim in Brandenburg verbrauchten Strom liegt dieser Anteil sogar bereits über 60 Prozent. Jährlich werden dadurch fast 10 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Ende 2010 waren in Brandenburg Anlagen zur Nutzung Erneuerbaren Energien mit einer elektrischen Leistung von insgesamt 5.300 Megawatt am Netz. Etwa 80 Prozent entfallen davon auf ca. 3000 Windkraftanlagen. Die verbleibenden 20 Prozent teilen sich vor allem Biomasseheizkraftwerke, Biogasanlagen und Photovoltaikanlagen.
Anrede,
in Brandenburg haben wir haben unsere Energiestrategie 2020. Diese Energiestrategie ist gekoppelt mit einem Maßnahmekatalog zum Klimaschutz. Wir wollen bis zum Jahr 2020 auf mindestens 20 Prozent bzw. 120 Petajoule erreichen und den Ausstoß von CO2 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu vermindern.
Gegenwärtig arbeitet die Landesregierung an einer Fortschreibung der Energie-Strategie und des Maßnahmeplans für den Klimaschutz. Das ist notwendig durch die veränderten Bedingungen auf Bundesebene. Dabei geht es neben einem weiteren Wachstum der erneuerbaren Energien und der Senkung des CO2-Ausstoßes v. a. um die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz. Jeder möchte den Strom aus der Steckdose, aber wenn wir die Produktion auf erneuerbaren Energien umstellen wollen, gibt es Konflikte zwischen Energiepolitik und Bürgerinteressen. Zurzeit gibt es auf diesem Gebiet zahlreiche Bürgerinitiativen.
Das heißt: Wollen wir weiter erfolgreich sein, so brauchen wir viele gute Ideen, um die Akzeptanz für erneuerbare Energien bei der Bevölkerung zu erreichen. Wir brauchen lokale Beteiligungsmodelle mit finanziellen Begünstigungen für die Bevölkerung, dezentrale Anlagen und energieautarke Dörfer.
Aber, wir wissen auch, mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien allein ist eine Energiewende nicht zu schaffen. Genau so wichtig sind die Energieeinsparung und die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen sowie der Ausbau der Energieinfrastruktur und er Speicherung erneuerbarer Energien.
Anrede,
ich freue mich, dass wir heute "erneuerbare Energien in der Praxis" diskutieren. Uns interessiert natürlich, wie die Entwicklung in Ihrem Land und auch in Ihrer Region vorangeht. Und ich bin gespannt auf die Informationen über das Monitoring der Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden am Beispiel der Stadt Brasov.
Auch bei uns im Land Brandenburg gibt es noch erhebliche Potentiale auf dem Gebiet der Wärmedämmung von Gebäuden - bei Wohngebäuden und öffentlichen Einrichtungen. Da gibt es viele Reserven und die sind bisher erst ansatzweise erschlossen.
Ich möchte noch auf andere Probleme eingehen. Auch wenn sich im Land Brandenburg insgesamt die Nutzung der erneuerbaren Energien so positiv entwickelt hat, will ich nicht verschweigen, dass der Ausbau mit weiteren Problemen verbunden ist. Wie jede technische Infrastruktur hinterlassen diese Anlagen auch sichtbare Spuren. Dadurch kommt es nicht selten zu Vorbehalten bei Anwohnern - das habe ich schon erwähnt - es kommt aber auch zu Konflikten mit den Zielen des Umwelt- und Naturschutzes. Für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien brauchen wir weitere Flächen.
Brandenburg hat bisher gezeigt, das eine Lösung solcher Zielkonflikte möglich ist. Jedoch stößt das Land beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zunehmend an seine Grenzen. Gerade für die Windkraftnutzung, für die im Land Brandenburg recht günstige natürliche Bedingungen herrschen, lassen sich nur schwer weitere Eignungsflächen finden. Ein weiteres Problem, dass Sie auch kennen, ist die Absicherung der Grundlast. Mit steigendem Anteil der erneuerbaren Energien im Energiemix steigt der Bedarf an Speichertechnologien zur Gewährleistung einer konstanten Energieversorgung unabhängig von Tag und Nacht, von Wind und Wetter. Wir brauchen also Stabilität und Kontinuität der bei der Lieferung erneuerbarer Energien. Hier sind viele Ideen gefragt. Die Energiepolitik muss hier verstärkt in Richtung Investitionen in neue Technologien gehen. Wir haben ein gutes Pilotprojekt im Land Brandenburg, welches in der nächsten Woche, am 25. Oktober, vom Ministerpräsidenten eingeweiht wird. Bei Prenzlau im Landkreis Uckermark, entsteht gegenwärtig ein Hybridkraftwerk. Hier wird Strom durch Windenergie, Biogas und Wasserstoff gewonnen, je nach Wetterlage und Bedarf. Und wir sind gespannt auf die Ergebnisse dieses Pilotprojekts.
Anrede,
die Erde erwärmt sich aufgrund menschlicher Eingriffe in den Klimahaushalt mit hoher Geschwindigkeit. Die Folgen der Klimaänderungen sind auch in Brandenburg spürbar und werden stärker. Höhere Temperaturen verbunden mit einem Wechsel von Trockenperioden und Starkregen verändern den Wasserhaushalt, führen zu Hochwasserkatastrophen und hinterlassen deutliche Spuren in der Land- und Forstwirtschaft. Nur wenn es uns gelingt, den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, ist eine erfolgreiche Anpassung an die Folgen des Klimawandels möglich - in Brandenburg, in Centru, in Europa und weltweit.
Die richtige Antwort ist der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien. Und wir erwarten hier auch eine konsequentere Unterstützung der Europäischen Union, vor allem was die Finanzierung neuer Sparten der erneuerbaren Energien betrifft. Wir stehen vor der Vorbereitung einer neuen Förderperiode, und wir werden uns aus Brandenburger und deutscher Sicht sehr bemühen, dass dies Berücksichtigung findet.
Anrede,
gestatten Sie mir Abschluss noch die folgende Bemerkung: Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie nach Brandenburg kommen und sich vom Stand des Ausbaus der erneuerbaren Energien selbst überzeugen und sich beispielsweise eine Biogasanlage oder das neue Hybridkraftwerk anschauen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(es gilt das gesprochene Wort)
18.10.2011


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