
Einst verbreitet, dann vergiftet, jetzt gerettet: Schnellster Vogel der Welt fliegt wieder ( 31.05.2010 )
Potsdam/Rheinsberg – Der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt, am weitesten auf der Erde verbreitet und doch fast ausgestorben. An diesem Wochenende (28.-30.5.) beenden das Landesumweltamt und der Arbeitskreis Wanderfalkenschutz das erfolgreiche Auswilderungsprojekt für diesen imposanten Vogel mit einer Tagung in Rheinsberg.
Im Focus von Naturschützern und Förstern, Behördenmitarbeitern und Sponsoren steht die für das mittel- und osteuropäische Flachland typische Population auf Bäumen brütender Wanderfalken; normalerweise brüten sie auf Felsen oder - wie in der Tundra - auf dem Boden. Von den 1950er Jahren an nahm diese Population ab, weil die Vögel in ihren Organen schwer abbaubare Umweltschadstoffe angesammelt hatten. Diese in Land- und Forstwirtschaft verwendeten Pestizide führten dazu, dass Vogelarten am Ende der Nahrungskette wie der Wanderfalke kaum noch reproduzieren konnten. In den 1970er Jahren starb die vormals riesige Baumbrüterpopulation aus.
Auf der Basis einer fundierten Analyse von Rückgangsursachen und Wiederansiedlungschancen starteten 1990 der Arbeitskreis Wanderfalkenschutz e. V. (AWS) mit Sitz in Freiberg (Sachsen) und die Naturschutzstation Woblitz (heute Landesumweltamt Brandenburg) ein Wiederansiedlungsprojekt. Die Mitglieder des in den ostdeutschen Bundesländern aktiven AWS hatten den Niedergang der Wanderfalkenpopulation sehr gut dokumentiert und seit den 1980er Jahren ein Wiederansiedlungsprogramm vorbereitet.
Im Jahr 1990 wurden die ersten drei Wanderfalken im Norden Brandenburgs aus einer Gefangenschaftszucht ausgewildert. Daran waren die Naturschutzstation Woblitz des LUA (heute Außenstelle der Staatlichen Vogelschutzwarte), der Deutsche Falkenorden e. V. (DFO), der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommerns, die Biosphärenreservatsverwaltung Mittlere Elbe und die Oberförstereien Luckau und Lieberose in beteiligt.
Bis 2009 wurden insgesamt 584 junge Wanderfalken freigelassen. In Gehegen auf hohen Kiefern waren sie an ihre Umgebung gewöhnt und auf das spezielle Baumbrüterhabitat geprägt worden; nachdem es erste wiederbeflogene Baumbrüterreviere gab, auch durch Adoption bei diesen wildlebenden Paaren. Eingebunden waren sechs verschiedene Auswilderungsstationen in West-Mecklenburg, Nord- und Südost-Brandenburg sowie West-Sachsen-Anhalt. 407 Jungfalken, die ganz überwiegend der DFO in das Projekt einbrachte, kamen aus Gefangenschaftsnachzuchten. 177 junge Wanderfalken wurden aus gefährdeten Bauwerksbruten geborgen und im Zuge genehmigter Rettungsumsetzungen aus den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin zur Auswilderung bzw. Adoption in das Baumbrüterprojekt eingebunden.
Der erste Brutversuch 1996 in der Nähe des ersten Auswilderungsplatzes war auf Anhieb erfolgreich. Angesichts der zuvor bisweilen geäußerten Zweifel an den Erfolgsaussichten des Projektes erregte dies international großes Aufsehen in der Fachwelt.
Im Jahr 2009 gab es mindestens 27 besetzte Baumbrutplätze, davon 20 in Brandenburg und sieben in Mecklenburg-Vorpommern; 62 Jungfalken wurden bei den 22 erfolgreichen Paaren flügge. Alle seit 1990 ausgewilderten und alle seit 1996 in den Naturbruten geschlüpften Jungfalken wurden mit speziellen Farb- und Kennringen versehen. Mehr als 20 Prozent dieser Falken konnten später als Brutpartner in Wanderfalkenrevieren wiederentdeckt und an Hand ihrer Kennringe über viele Jahre in ihrem Lebenslauf verfolgt werden.
Gemäß den bei Projektstart vereinbarten Erfolgskriterien wird das Wiederansiedlungsvorhaben nun grundsätzlich beendet; und der weitere Schutz erfolgt durch konventionelle Methoden – z.B. durch den Schutz und die Erhaltung der Lebensräume des Wanderfalken.
Weitere Informationen
Wanderfalkenprojekt 2010
Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Referat 02 "Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Internationale Kooperation", Alrun Kaune-Nüßlein, Tel.: 0331/ 866 -7016, E-Mail: Alrun.Kaune-Nuesslein@MUGV.Brandenburg.de


Seite drucken