
Überwachung von Luftqualität: Feinstaubbelastungen
Feinstaub-Episode im Januar 2010
Die ungewöhnlich intensiv ausgeprägte und lang andauernde winterliche Witterung im Januar 2010 in Ostdeutschland hatte insbesondere für das Land Brandenburg auch erhebliche Folgen für die Luftqualität. Dies spielte in der aktuellen Medienberichterstattung über die beträchtlichen Probleme durch extreme Kälte und starken Schneefall in weiten Tieflandregionen kaum eine Rolle.
Aus dem Zusammenwirken lang anhaltender Hochdruckwetterlagen und bemerkenswerter Feinstaub-Ferntransporte konnte sich eine PM10-Schwebstaub-Episode aufbauen, wie sie bisher in Brandenburg selbst in den ausgeprägten Winterwochen der Jahre 2006 und 2003 hinsichtlich Belastungshöhe und -dauer vom Landesumweltamt (LUA) noch nicht verzeichnet worden war.
Im Zeitraum vom 14. bis 27. Januar 2010 lag der brandenburgweite PM10-Tagesmittelwert (TMW) nahezu ununterbrochen über 50 µg/m3 und erreichte zum Höhepunkt der Episode vom 25. bis 27. Januar 2010 einen Wert von über 100 µg/m3; am 26. Januar 2010 wurde mit 145 µg/m3 ein PM10-Tagesmittelwert registriert, der als absoluter Höchstwert seit Beginn der Feinstaubmessungen durch das LUA in Brandenburg gilt.
Bemerkenswerterweise zeigten sich dabei im Spektrum der LUA-Messstellen zwischen ländlichem Hintergrund etwa im Fläming, städtischem Hintergrund in den Oberzentren bis hin zu den "Hotspots" der Straßenverkehrsbelastung nur relativ geringfügige TMW-Unterschiede: Selbst am 26. Januar 2010 lag das Feinstaub-Niveau in Lütte/Fläming bei 124 µg/m3, während die zweithöchst belastete Messstelle Spremberg mit 199 µg/m3 noch die Verkehrsmessstelle Cottbus/Bahnhofstraße (187 µg/m3) übertraf. Aber den absoluten Spitzenwert der Episode verzeichnete an diesem Januartag die Verkehrsmessstelle Frankfurt (Oder)/Leipziger Straße mit 205 µg/m3.
Diese landesweit hohen und räumlich nur wenig differenzierten PM10-Belastungen resultierten aus einem nur durch ein Tiefdruckgebiet vom 17. bis 19. Januar 2010 unterbrochenen kontinuierlichen Zustrom von Luftmassen aus Westpolen und dem oberschlesischen Industriegebiet (festgestellt anhand der 24 Stunden rückverfolgten Zugbahnen) sowie einer zeitweiligen regionalen Schadstoffanreicherung durch quasistationäre Hochdruckgebiete, die sich für Brandenburg vor allem am 15., 20.nbsp;und 26. Januar sehr nachteilig auswirkten.
Insgesamt zeigte sich das gleiche Grundmuster wie bei den Feinstaubepisoden 2006 und 2003: das Zusammenwirken von Ferntransport und inversionsbedingt sehr stark reduziertem Vertikalaustausch. Diese negativen meteorologischen Begleitumstände waren im Januar 2010 durch die ununterbrochen vorhandene geschlossene Schneedecke noch intensiver ausgeprägt, die über starke nächtliche strahlungsbedingte Abkühlung die Bodeninversionen und die heizungsbedingten Emissionen verstärkte.
Weitere Informationen:
Aktuelle Überschreitungshäufigkeiten Feinstaub (Partikel PM10)
Aktuelle Immissionsdaten Feinstaub (Partikel PM10)
04.02.2010
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Abteilung Technischer Umweltschutz, Referat T3 - Gebietsbezogener Immissionsschutz, Lärmschutz, Dr. Martin Kühne, Tel.: 0355/ 4991 -1304, Fax: 0355/ 4991 -1074, E-Mail: Martin.Kuehne@LUGV.Brandenburg.de


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