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Windenergieanlagen

Zentrale Fundkartei über Anflugopfer an Windenergieanlagen (WEA)

  • Ziel und Inhalt der Datenbank
    Der Aufforderung der EU-Kommission an die Mitgliedstaaten zur Überwachung des Ausmaßes der unbeabsichtigten Tötung von Fledermäusen durch WEA (s. Leitfaden zur FFH-Richtlinie) mit dem Hintergrund der Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes der einzelnen Arten wird diese Datenbank nicht gerecht. Ziel dieser Datenbank, die in Abstimmung der Länderarbeitsgemeinschaft der deutschen Vogelschutzwarten zentral bei der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg geführt wird, ist es vielmehr, die bisherigen Erkenntnisse zur Vergrämungswirkung von WEA auf Brut-, Zug- und Rastvögel sowie zur Gewöhnung einiger Arten um Erkenntnisse zur unmittelbaren Gefährdung einzelner Vogel- und auch Fledermausarten zu erweitern.
    In einem zweiten Schritt soll versucht werden, soweit das Umfang und Qualität der mitgeteilten Daten zulassen, anlagentyp- und gebietsspezifische Unterschiede im Gefährdungspotenzial herauszufiltern, um Empfehlungen für die Planungspraxis geben zu können. Die Datenbank verfolgt keinen wissenschaftlichen Ansatz zur Datenerhebung und es gibt bisher auch keine flächenhafte Suche und Erfassung von Anflugopfern an WEA. Aus diesem Grund ermöglicht sie Außenstehenden deshalb keinerlei seriöse Rückschlüsse zur Höhe der jährlich im Bundesgebiet oder einzelnen Bundesländern an den WEA verunfallenden Vögeln und Fledermäusen. Hinweise auf eine etwaige Größenordnung jährlich verunfallender Fledermäuse lassen sich seit kurzem auf Grund größerer Stichproben durch sehr vorsichtige Schätzungen für einige Windparks oder auch etwas größere Regionen Brandenburgs aus Detaildaten ableiten, nicht jedoch aus den dargestellten Übersichten.
  • Herkunft der Daten
    Die Herkunft der Daten ist sehr heterogen. Die Datenbank beinhaltet vor allem bei den Vögeln in hohem Maße Zufallsfunde und nur in begrenztem Umfang flossen Daten aus gezielten, stichprobenartigen oder auch im Rahmen von behördlicherseits festgelegten Begleituntersuchungen oder auch im Rahmen von Forschungsvorhaben systematisch betriebenen Nachsuchen ein. Insofern vermag die Datenbank nur eine sehr kleine Stichprobe dessen wiederzugeben, was reell durch WEA zu Tode kommt. Gerade die sehr großen Differenzen in der regionalen Bereitschaft zur Kontrolle von WEA und Meldung von Funden erschweren Aussagen zur Größenordnung der Verluste und Betroffenheit von einzelnen Arten oder Artengruppen in den verschiedenen Regionen Deutschlands.
  • mögliche Größenordnung jährlicher regionaler der Fledermausverluste
    Aus Brandenburg flossen bisher 44.272 WEA-Kontrollen in die Datenbank ein. Da einige Windparks in verschiedenen Jahren abgesucht wurden bezieht sich die Stichprobe auf 2.230 jahresweise betrachtete WEA, die in der Realität aber nur 724 verschiedene WEA darstellen. Durchschnittlich wurde jede WEA zwanzigmal jährlich kontrolliert woraus sich 0,27 Fledermausfunde je WEA ergaben. Die Zahl der Funde stieg erwartungsgemäß mit der Zahl der Kontrollen. An WEA mit 51-100 Kontrollen je Jahr wurden mit 0,65 Fledermäusen die höchsten Fundraten erzielt. Korrekturfaktoren, die zur Berechnung der tatsächlichen Verluste unumgänglich waren, ergaben im Ergebnis mehrerer durchgeführter Tests bei sehr starken Schwankungen folgende Durchschnittswerte:

 
Kontrollen je WEA und Jahr 1-10 11-50 >50
Nicht gefundene Testkadaver ( in Prozent) 85,6 71,0 68,7
Abgetragene Testkadaver (in Prozent) 58,3 35,0 22,5
Vom Suchradius nicht abgesuchte Fläche (in Prozent) 50,0 35,0 22,5
Fledermausfunde je WEA und Jahr 0,16 0,34 0,57
Errechnete Schlagopfer je WEA und Jahr 5,46 2,41 2,99

Die aus den Fundraten und Korrekturfaktoren ermittelte durchschnittliche jährliche Schlagopferrate lag bei den intensiv abgesuchten WEA etwa um den Faktor 5,25 höher als die Zahl der tatsächlich gefundenen Kadaver und ergibt einen Wert von etwa 2,99 Fledermausschlagopfern je WEA und Jahr. Bei einer Gesamtzahl von etwa 3.000 WEA in Brandenburg dürften alljährlich bereits etwa 8.970 Fledermäuse in Brandenburg verunglücken. Zum Vergleich wurden im Rahmen eines bundesweit durchgeführten Forschungsvorhabens der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Hannover "Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an On-shore-Windenergieanlagen" für den Zeitraum der Monate Juli bis September durchschnittlich 7,1 Schlagopfer je WEA berechnet (KORNER-NIEVERGELT et al. 2009), wobei die für brandenburgische Standorte berechneten Werte durchschnittlich noch höher ausfielen.
Bei einem Anteil von etwa 49,7 Prozent Abendseglern (Nyctalus noctula), 26,9 Prozent Rauhautfledermäusen (Pipistrellus nathussi), 10,8 Prozent Zwergfledermäusen (Pipistrellus pipistrellus) und 3,5 Prozent Zweifarbfledermäusen (Vespertilio murinus) unter den Schlagopfern in Brandenburg ergeben sich aus den Daten der Fundkartei z.B. für diese Arten rein rechnerisch Verluste in folgender Größenordnung: 4.458 Abendsegler, 2.413 Rauhautfledermäuse, 969 Zwergfledermäuse und 314 Zweifarbfledermäuse.
 



06.12.2011

Kontakt:
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Abteilung Ökologie, Naturschutz, Wasser, Referat Staatliche Vogelschutzwarte Buckow, Tobias Dürr, Tel.: 033 878/ 90 99 15 , Fax: 033 878/ 606 00 , E-Mail: Tobias.Duerr@LUGV.Brandenburg.de