Infektionsschutz: EHEC
Häufung von bakteriellen Darminfektionen durch enterohämorrhagische E. coli (EHEC)-Bakterien
- Aktueller Stand
- Informationen zu EHEC
» Was ist EHEC?
» Wo wird EHEC gefunden?
» Wie wird EHEC übertragen?
» Wie äußert sich die Erkrankung?
» Wie kann man EHEC diagnostizieren?
» Wie kann man eine EHEC-Infektion behandeln?
» Wie kann ich mich vor einer EHEC-Infektion schützen?
25. Juli 2011, EHEC-Ausbruch beendet
Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht den EHEC- Ausbruch, der Anfang Mai mit gehäuften Erkrankungen von
EHEC/HUS begann, als beendet an. Der letzte Erkrankungsfall wurde laut RKI für den 4. Juli 2011 gemeldet. Seitdem wurde kein neuer Fall bekannt.
In Brandenburg stellt sich das Geschehen mit Stand 25. Juli 2011 wie folgt dar:
- bei 10 Patienten besteht der Verdacht auf eine EHEC-Infektion
- bei 18 Patienten ist die EHEC-Infektion bestätigt
- bei fünf weiteren Patienten ist die Erkrankung an dem hämolytisch-urämischen Syndromn (HUS) (Nierenversagen) bestätigt
- Bei einem am 3. Juni 2011 im Ernst-von-Bergmann-Klinikum verstorbenen Patienten kann nach Auskunft des Klinikums nicht gesagt werden, inwieweit EHEC zu Verlauf der Krankheit und zum Tod beigetragen hat. Er gehörte zu den bestätigten EHEC-Fällen.
Sprossen als mögliche Infektionsquelle
Seit dem gehäuften Auftreten von Erkrankungsfällen mit EHEC Anfang Mai haben die Bundesländer umfangreiche Untersuchungen an Lebensmitteln durchgeführt und zahlreiche Vertriebswege ermittelt. Im Ergebnis der Arbeiten ist davon auszugehen, dass die Ursache für das Erkrankungsgeschehen auf den Verzehr von kontaminierten Sprossen zurückzuführen ist.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf Basis der von den Bundesländern übermittelten Daten eine Risikobewertung von EHEC O 104:H4 in Sprossen und Keimlingen durchgeführt und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Ausbruchserreger mit hoher Wahrscheinlichkeit über angelieferte Bockshornkleesamen in die Sprossenproduktion gelangt ist. Aufgrund der durchgeführten Ermittlungen konnte Samen aus Ägypten als Kontaminationsquelle identifiziert werden. Die Europäische Kommission hat aus Vorsorgegründen beschlossen, dass Bockhornkleesamen und bestimmte andere Samen und Bohnen aus Ägypten bis Ende Oktober nicht eingeführt werden dürfen. (Durchführungsbeschluss der Kommission vom 6. Juli 2011 über Sofortmaßnahmen hinsichtlich Bockshornklee sowie bestimmter Samen und Bohnen aus Ägypten).
Die Samen von Bockshornklee werden nicht nur zur Herstellung von Sprossen, sondern in einer Vielzahl verschiedener Lebensmittel wie Käse, Kräutertees, Senf, Currygewürzen und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet. Aus geschmacklichen und technologischen Gründen werden die Samen vor der Zugabe zu Lebensmitteln üblicherweise erhitzt. Vor dem Hintergrund der Schwere der Erkrankung durch EHEC O 104:H4 empfiehlt das BfR Verbraucherinnen und Verbrauchern Bockshornkleesamen vor der Weiterverarbeitung im Privathaushalt z.B. durch Rösten in der Pfanne kräftig zu erhitzen. Kräutertees mit Bockshornkleesamen sollten wie alle Kräutertees mit kochendem Wasser aufgegossen werden und mindestens 5 Minuten ziehen. Wasser aus Heißwasserspendern ist generell nicht für die Zubereitung von Kräutertees geeignet, da es nicht heiß genug ist, um Bakterien sicher abzutöten (Stellungnahme Nr. 031/2011 des BfR vom 26. Juli 2011).
In Brandenburg wurden mit Stand vom 28. Juli 2011 insgesamt 152 Proben (Gurken, Tomaten, verschiedene Salate, Zucchini und Paprika) untersucht, davon 57 Sprossen bzw. Keimlinge. Alle Untersuchungen bisher EHEC negativ. Im Rahmen der risikoorientierten Probenahme werden Sprossen und Samen verstärkt kontrolliert.
Informationen zu EHEC
Seit Anfang Mai 2011 war es zu einem vermehrten Auftreten von Fällen mit
blutigen Durchfallserkrankungen gekommen. Dafür ursächlich war das
enterohämorrhagische E. coli-Bakterium (EHEC). Bei diesem Ausbruchsgeschehen
waren überwiegend Erwachsene, insbesondere junge Frauen betroffen, die zum Teil
ein sehr schweres Krankheitsbild mit der Komplikation eines akuten
Nierenversagens (hämolytisch-urämisches Syndrom = HUS) entwickelt haben. Als
Ursache für das Erkrankungsgeschehen sind Bockshornkleesamen aus Ägypten
identifiziert worden. Die meisten HUS-Fälle wurden aus dem norddeutschen Raum
mit Schwerpunkt Stadt Hamburg gemeldet. Die behandelnden Ärzte (Kliniken und
Arztpraxen) sowie Laboratorien sind nach Infektionsschutzgesetz verpflichtet,
Verdachtsfälle auf eine schwer verlaufende Darminfektion mit HUS bzw.
mikrobiologisch nachgewiesene EHEC-Infektionen unverzüglich an das zuständige
Gesundheitsamt zu melden.
In den nachfolgenden Texten haben wir für Sie Erläuterungen zu EHEC und HUS zusammengestellt.
Was ist EHEC?
Enterohämorrhagische Escherichia coli sind eine spezielle Art von E.
coli-Bakterien, die in der Lage sind, Zellgifte (Shigatoxine bzw. Verotoxine) zu
produzieren. Diese Zellgifte (Toxine) können über spezielle Bindungsstellen
sich an die Zellwände von Darmschleimhaut oder Zellwände der Blutgefäße
binden und durch Beeinflussung des Stoffwechsels diese zum Absterben bringen.
Besonders gefürchtet sind diese Keime, weil sie aufgrund der Toxinbildung zu
schweren Krankheitsverläufen mit zum Teil tödlichem Ausgang führen können.
Bei diesem komplikationsreichen Krankheitsbild kommt es zu
Blutgerinnungsstörungen und Zerstörung der roten Blutkörperchen, was bis zu
einem akuten Nierenversagen führen kann (hämolytisch-urämisches Syndrom =
HUS).
Aufgrund der unterschiedlichen Oberflächenstrukturen (sog.
Oberflächen-Antigene) können verschiedene Serogruppen identifiziert werden.
Die weltweit häufigste EHEC-Serogruppe ist O157.
Wo wird EHEC gefunden?
Wiederkäuer, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen, aber auch Wildwiederkäuer
wie Rehe und Hirsche sind das Hauptreservoir für EHEC.
Wie wird EHEC übertragen?
EHEC kann durch direkten Kontakt zu Wiederkäuern und damit im Sinne einer
Schmierinfektion durch orale Aufnahme von Fäkalspuren übertragen werden.
Ebenso kann durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel
oder kontaminierten
Wassers der Erreger aufgenommen werden. Eine direkte
Mensch-zu-Mensch-Übertragung dieser Bakterien ist ebenfalls möglich. Die
Infektionsdosis für EHEC wird als sehr gering angegeben, was die
Erkrankungsausbreitung begünstigt (Infektionsdosis < 100 EHEC O157-Erreger).
Über fäkal verunreinigtes Wasser können auch
pflanzliche Lebensmittel wie
Obst und Gemüse mit EHEC kontaminiert werden. Durch eine unzureichende
persönliche Hygiene bei der Nahrungsmittelzubereitung oder bei insgesamt
unzureichender Küchenhygiene können die EHEC-Keime auch in andere Lebensmittel
gelangen.
Badewässer können durch tierischen Kot mit EHEC verunreinigt werden
und können beim Baden und versehentlicher Wasseraufnahme als Infektionsquelle
in Frage kommen.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Eine Infektion mit EHEC-Keimen kann klinisch unauffällig verlaufen. Bei den
meisten Erkrankungsfällen entwickelt sich ein anfangs unblutiger, wässriger
Durchfall, der später mit Bauchschmerzen einhergeht. Als weitere
Begleitsymptome kann es zu Übelkeit, Erbrechen und seltener zu Fieber kommen.
Es kann bei ca. 15 Prozent der Erkrankten zu besonders schweren Verläufen kommen mit
blutigem Stuhl und krampfartigen Bauchschmerzen im Sinne einer hämorrhagischen
blutigen Darmentzündung (hämorrhagische Kolitis). Als gefürchtetste
Komplikation kann es durch eine fortschreitende Gerinnungsstörung, einer
Auflösung/Zerstörung der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie) zu
einem Nierenversagen kommen (hämolytisch-urämisches Syndrom:
HUS). Dieses
Nierenversagen kann zu einer zeitweisen Dialysepflichtigkeit führen. Dieser
schwere Verlauf tritt bei den EHEC-Erkrankten in ungefähr 5 bis 10 Prozent der Fälle
auf.
Primär betroffen sind Kinder, alte Menschen und abwehrgeschwächte
Personen.
Die Sterblichkeit in der Akutphase eines hämolytisch-urämischen
Syndroms wird mit 2 Prozent angegeben. Warum bei dem jetzigen Ausbruchsgeschehen
überwiegend junge Frauen so schwer erkranken, ist abschließend noch nicht
geklärt.
Die Inkubationszeit, d.h. die Zeit von der Aufnahme des Erregers bis
zur Erkrankung, beträgt zwischen 2 und 10 Tage. Die HUS-Symptomatik tritt in
der Regel vom 5. bis zum 12. Tag nach Erkrankungsbeginn auf. Die Dauer der
Ausscheidung von EHEC-Bakterien im Stuhl variiert zeitlich und kann von wenigen
Tagen bis zu mehreren Wochen dauern.
Wie kann man EHEC diagnostizieren?
Neben den klinischen Symptomen ist zur exakten Diagnose der EHEC-Erkrankung eine
mikrobiologische Stuhluntersuchung notwendig. Dabei wird neben der
Erregerisolierung auf mikrobiologischen Nährböden in Spezialtesten der
Toxinnachweis als wichtigste diagnostische Maßnahme durchgeführt. Die genaue
Typisierung der EHEC-Erreger und die Analyse ihrer Toxine, insbesondere in
Ausbruchsgeschehen, werden im Referenzlabor durchgeführt.
Wie kann man eine EHEC-Infektion behandeln?
Da das Krankheitsbild durch die Gifte (Toxine) hervorgerufen wird, ist nur eine
symptomatische Behandlung der Krankheit möglich. Eine Therapie mit Antibiotika
hat keinen Einfluss auf die Toxine und ist von daher nicht angezeigt. Bei
Auftreten eines HUS werden Nierenersatzverfahren, z.B. die Hämodialyse,
notwendig.
Wie kann ich mich vor einer EHEC-Infektion schützen?
Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen sind die konsequente Einhaltung
persönlicher Hygienemaßnahmen, eine ausreichende Küchenhygiene und ein
korrekter Umgang mit Lebensmitteln.
Für die persönliche Küchenhygiene gilt,
dass man die Hände mit Wasser und Seife vor der Zubereitung von Speisen wäscht
und sorgfältig abtrocknet.
Rohes Fleisch sollte getrennt von anderen
Lebensmitteln gelagert werden und alle nach Kontakt mit rohem Fleisch im Rahmen
der Zubereitung kontaminierten Flächen und Gegenstände sollten gereinigt und
abgetrocknet werden.
Fleisch und Hackfleisch von Wiederkäuern sollte vor dem
Verzehr gut erhitzt werden.
EHEC-Bakterien lassen sich durch ausreichend langes
Erhitzen, wie es beim Kochen, Braten oder auch Pasteurisieren geschieht,
abtöten, nicht aber durch Einfrieren. Rohmilch ist vor dem Verzehr immer
abzukochen. Rohes Gemüse und Obst sollte vor dem Konsum geschält oder aber
gründlich gewaschen werden.
Nach direktem Tierkontakt mit Wiederkäuern; z.B.
auf Bauernhöfen oder in Streichelzoos; sollten die Hände gründlich gewaschen
werden. Während des Besuches eines Tierstalles oder eines Streichelzoos ist auf
das gleichzeitige Einnehmen von Speisen und Getränken zu verzichten.
Insbesondere bei kleineren Kindern bedarf es einer engmaschigen Kontrolle, dass
nach dem Streicheln der Tiere die Finger nicht anschließend in den Mund
gesteckt werden.
Weitere Informationen:
Informationen des Robert Koch Institutes
Informationen
des Bundesverbraucherministeriums zu EHEC
Häufig gestellte Fragen zu EHEC im Trink- und Badebeckenwasser sowie zur Nachweismethode
Pressemitteilung
"Aktuelles EHEC-Geschehen:
Entwarnung für Gurken, Tomaten und Blattsalat
– Vorsicht bei Sprossen" vom 10. Juni 2011
Pressemitteilung
"Aktueller Stand der EHEC-Infektionen" vom 6. Juni 2011
Pressemitteilung
"Weitere EHEC-Verdachtsfälle in Brandenburg" vom 3. Juni 2011
Pressemitteilung
"Neue Zahlen bei EHEC-Infektionen" vom 27. Mai 2011
Pressemitteilung "Keine Entwarnung bei EHEC-Infektionen vom 27. Mai 2011
Pressemitteilung "Zweiter EHEC-Verdacht in Brandenburg" vom 25. Mai 2011
Pressemitteilung "Bislang ein EHEC-Verdacht in Brandenburg " vom 24. Mai 2011
Adressen der Gesundheitsämter
Adressen der Veterinär- und Lebensmitteluntersuchungsämter
28.07.2011
Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Abteilung Gesundheit, Referat 23, Dr. Ulrich Widders, Tel.: 0331/ 866-7632, E-Mail: Ulrich.Widders@MUGV.Brandenburg.de


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