
Naturpark Nuthe-Nieplitz - Regionalentwicklung
Kulturlandschaft
Altsteinzeit
Germanische Besiedelung
Slawische Besiedlung
Mittelalter
Spätmittelalter
Die Thümenschen Jahrhunderte
Wasserhaushalt
Tradition Weinbau
Erste Funde für eine Besiedelung des Gebietes sind aus der Altsteinzeit
belegt. Etwa 4.000 Jahre v. u. Z. setzte die Wende vom Nomadentum zur
Bauernkultur ein, die die ersten direkten Eingriffe in die Naturlandschaft mit
sich brachte. Die tiefer liegenden, wettergeschützten, wärmeren und
trockeneren Gebiete auf "Trockeninseln" der Urstrom- und
Durchbruchtäler wurden zuerst besiedelt. Leicht zu bearbeitende, sandige Böden
wurden bevorzugt.
Mit Beginn unserer Zeitrechnung siedelten sich Germanen an. Sie rodeten inselartig im geschlossenen Wald und errichteten Einzelgehöfte, Weiler oder dorfartige Siedlungen. Der Wald diente als Schutz vor Feinden. Zu dieser Zeit setzte auch die Eisengewinnung und -bearbeitung sowie der Fernhandel ein. In der Völkerwanderungszeit im 4. Jahrhundert wanderte ein Großteil der Bevölkerung ab.
Überlieferte Namen der vorslawischen Zeit sind z.B. Notte und Nuthe. Der
slawischen Einwanderung ging in Brandenburg eine länger andauernde Zeit starker
Siedlungsverdünnung voraus. Der Wald hatte während dieses
"Siedlungsvakuums" vom ehemaligen Kulturland wieder Besitz ergriffen.
Zu dieser Zeit stellte ganz Brandenburg eine ausgesprochene Naturlandschaft dar.
Im 6. Jahrhundert begann die slawische Besiedlungsphase. Daran erinnern noch heute viele Ortsnamen mit Endungen auf -ow, -zow, -itsch, -itz, -nitz, -witz, -kietz. Zunächst wurden die inzwischen von den Germanen verlassenen Siedlungsräume in Besitz genommen.
Bevorzugte Wohnlagen befanden sich in gewässernahen, aber vor Hochwasser geschützten Talrändern und Niederungen (z.B. Saalow, Teupitz, Nottetal mit Burg- und Siedlungsanlagen im Bereich Mittenwalde, Königs Wusterhausen), nicht aber auf den trockenen Platten, Sander- und Talsandflächen. Ebenso wurden die Sumpfgebiete gemieden. Slawische Siedlungen häuften sich in Räumen, in denen Stieleichen-Hainbuchenwälder reichlich vorhanden waren (Waldweide, gutes Ackerland).
Die Siedlungsformen bestanden aus offenen und geschlossenen Weilern, Anger-,
Rundlings-, Sackgassen- und Straßendörfern.
Im Mittelalter fand die deutsche Ostkolonisation durch Deutsche, Holländer und Flamen statt, die die bislang siedlungsleeren trockenen Platten (z.B. Teltow), den südlichen Landrücken (Fläming) und die feuchten Niederungen besiedelten.
Ortsnamen auf -walde, -hagen, -dorf, -burg, -felde, -au, -thal, -see, -berg sind typisch für die meist größeren Dörfer, die planmäßig und regelmäßig im Grundriss angelegt wurden (Siedlungsformen Anger- bzw. Straßendörfer oder Zwischenform). Oft wurde neben slawischen Siedlungen gesiedelt (kleine weilerartige Einschiebungen, Namen, wie Groß- und Klein-, Deutsch-). Slawische und deutsche Bevölkerung durchmischten sich. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte wurden die umliegenden Wälder im großen Stil gerodet, viele Sümpfe trocken gelegt.
Das Land wurde in Dreifelderwirtschaft (Winter-, Sommergetreide, Brache) in stets lang gestreckten Bearbeitungsstrukturen (Gewannfluren oder Hufen) bewirtschaftet. Siedlungsnahe Waldflächen wurden gerodet oder als Waldweide genutzt (Mittelwald). Die Biotoptypen Wiese und Acker gehören jetzt zum Landschaftsbild.
Während des 30jährigen Krieges war Brandenburg Durchzugsland aller
feindlichen Armeen. Die Bevölkerungsverluste betrugen um die 50 Prozent.
Nach den hochmittelalterlichen großflächigen Rodungen kam es durch Überbevölkerung und Nahrungsmangel zur Bewirtschaftung auch ungünstiger Böden. Unter vorindustriellen Bedingungen ernährte diese Bewirtschaftung jedoch nur eine begrenzte Bevölkerungszahl.
Durch Aufgabe ländlicher Siedlungen entstanden Ortswüsten. Die Wüstungen
führten zu Aufforstungen und Errichtung von Forsthäusern oder zur Anlage
grundherrlicher Vorwerke. Ende des 16. Jahrhunderts endete die Wüstungsperiode.
Zu diesem Zeitpunkt vollzog sich die heute noch bodenkundlich nachvollziehbare
Trennung von Wald- und Ackerstandorten.
Rund 500 Jahre lang lagen die Geschicke zwischen Nuthe und Nieplitz in den Händen des Adelsgeschlechts derer von Thümen. Unter ihnen gab es ebenso tollkühne wie streitbare Vertreter. Im 16. Jahrhundert soll ein von Thümen in der Blankenseer Kirche hoch zu Ross die Treppe zur herrschaftlichen Loge hinaufgeritten sein. Der Sage nach brachen sich Ross und Reiter dabei den Hals.
1865 starb Leo von Thümen eines gewaltsamen Todes: Der rechthaberische und
streitsüchtige Adlige war so verhasst, dass ein aufgebrachter Inspektor ihn
erschoss. 1902 verkaufte Viktor von Thümen als letzter Gutsherr den hoch
verschuldeten Familienbesitz, darunter auch das Schloss in Blankensee. Schloss
und Park erwarb der Schriftsteller und Dramatiker Herrmann Sudermann, der den
Park mit Kunstschätzen ausstattete, die er von seinen Reisen mitbrachte.
Durch Stauanlagen und Wassermühlen stieg der Wasserstand lokal an und führte zur Flachmoorbildung in ehemals waldbestandenen Niederungen.
Weitgehend unregulierte Flussläufe, aber auch die langen Überstauungen durch die Wassermühlen führten zu häufigen Hochwasserereignissen auch im Sommer. Extreme Hochwasser gab es in den Jahren 1698 und 1755. Im Baruther Tal kam es zu monatelangen Überschwemmungen.
Erst die zunehmende Regulierung der Flussläufe von Nuthe und Nieplitz seit
1776, die Aufgabe der Wassermühlen und großflächig durchgeführte
Meliorationen führten zur Trockenlegung weiter Bereiche, zum Rückgang des
Fischfangs und Zunahme des Ackerbaus.
Weinbau war früher im ganzen Gebiet verbreitet. Der Flurname "Weinberg" ist noch heute häufig. Bis 1782 wurden in Großbeuthen noch zehn Morgen Weinberge bewirtschaftet. Mit der Ernte wurde überwiegend die Essigfabrik in Zossen beliefert. Von "vorzüglicher" Qualität soll der Wein gewesen sein, den Mönche auf dem Dobbrikower Weinberg anbauten. Auf dem Stückener Weinberg, dem südlichsten Ausläufer der Saarmunder Moräne, wurde sogar 1801 noch Wein angebaut.
Die Besiedelung ehemaliger Weinberge mit speziellen Pflanzen- und Tierarten ist auch heute noch für den Naturschutz interessant. Weinberge finden sich in fast allen Orten der Teltowplatte, weiter südlich vor allem nahe der Seen. Auch der Fläming-Anstieg bei Baruth wurde ehemals als Weinberg genutzt.
12.07.2007
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Beelitzer Str. 24, 14947 Nuthe-Urstromtal, OT Dobbrikow, Referat GR 6 Naturpark Nuthe-Nieplitz, Hubertus Meckelmann, Tel.: 033732/ 5060, E-Mail: np-nuthe-nieplitz@lugv.brandenburg.de


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