
Naturpark Stechlin-Ruppiner Land - Regionalentwicklung
Entwicklung der Kulturschaft - Siedlungsgeschichte
Steinzeit: 8. - 2. Jahrtausend v. Ch.
Bronze- und Eisenzeit: 5. Jahrhundert v. Ch. – 5. Jahrhundert n. Ch.
Mittelalter: 12./13. Jahrhundert
Spätes Mittelalter: 14. - 17. Jahrhundert
17. - 19. Jahrhundert

20. Jahrhundert
Die ältesten Besiedlungsspuren stammen aus der Ahrensburger Kultur vor ca. 10.000 Jahren und weisen auf eine relativ schnelle Besiedelung des Gebietes nach Rückzug der letzten eiszeitlichen Gletscher hin. Sie sind durch die Entdeckung eines spätpaläolithischen Rastplatzes mit Feuersteinwerkzeugen belegt.
Steinzeit
Oberflächenfunde von Feuersteingeräten, Steinbeilen und Äxten, welche ausschließlich an Seen und entlang der Havel gefunden wurden, stammen aus der Periode der Mittel- sowie Jungsteinzeit (etwa 8000 bis 1700 v. Ch.). Vermutlich gegen Ende dieses Zeitabschnitts setzte erstmals in der Geschichte die starke Landschaftsüberformung des Menschen durch Einführung von Ackerbau und Viehzucht ein.
Bronze- und Eisenzeit
Aus der weiteren Entwicklung in der Bronze- und Eisenzeit sind nur wenige Siedlungs- und Gräberfunde bekannt. Dies ist wahrscheinlich auf die geringe Besiedlungsdichte aufgrund der schlechten Bodenbedingungen zurückzuführen. Die Zeit der Germanen (1. - 4. Jahrhundert n. Ch.) und die anschließende Völkerwanderung hinterließen im Gebiet keine Spuren. Erst mit Einwanderung der slawischen Völker im 6. Jahrhundert häufen sich die frühgeschichtlichen Funde wieder. Über den Oderraum wanderten die slawischen Stämme in das ostelbische Gebiet ein. Sie besiedelten leichte Böden in Wassernähe und bauten ihre Siedlungsanlagen meist geschützt auf Halbinseln sowie in Mooren. Insbesondere Fluchtburgen wurden oft inmitten unzugänglicher Sumpf- und Gewässerwildnisse angelegt. (SUCCOW, M. , JESCHKE, L., 1990).
Im Bereich des Naturparks entlang der Ruppiner Seenkette im heutigen Naturpark lebte anfangs der Stamm der Zamzizi. Die Recanen (Flussanwohner) siedelten an der Havel zwischen Liebenwalde und Fürstenberg. In der Phase des Landausbaus im 11./12. Jahrhundert wurde dann das gesamte Gebiet dichter besiedelt, wovon noch heute eine Reihe von Orts- und Flurnamen slawischen Ursprungs zeugen.
Mittelalter (12. - 13. Jahrhundert)
Im Zuge der deutschen Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert unter der Flagge der Christianisierung eroberte Albrecht der Bär von Magdeburg 1134 die Mark Brandenburg. Er gilt als Gründer der Askanierdynastie und förderte die Einwanderung deutscher und flämischer Siedler. Das Stammesgebiet der Zamzizi gelangte in die Hand des Grafen Gebhard I. von Arnstein, der die Grafenlinie Lindow - Ruppin gründete. Seit Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung „Grafschaft Ruppin“ üblich, die später auch von Fontane in seinen Werken aufgegriffen wurde. Durch den starken Landbedarf kam es in dieser Periode zu enormen Waldrodungen, vor allem auf den fruchtbaren Grundmoränenplatten, aber auch in heute wieder bewaldeten Teilen der Fürstenberger Endmoränenstaffel.
Spätes Mittelalter (14. - 17. Jahrhundert)
Infolge umfangreicher Grenzkämpfe und Plünderungsfeldzüge zwischen dem Hause der Hohenzollern und Mecklenburg sowie des späteren Verfalls der Macht des Reichsadels mit einsetzendem Raubrittertum verödeten im späten Mittelalter zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert sehr viele Siedlungen. Das Rheinsberg - Fürstenberger Seengebiet gehörte in dieser Zeit zu den Landschaften mit dem höchsten Wüstungsanteil in Mitteleuropa. Hierzu trugen auch die ackerbaulich ungünstigen Bodenbedingungen, Pestausbrüche und die Umstände des Dreißigjährigen Krieges wesentlich bei. Aufgrund des allgemein vorherrschenden Grünlandmangels wurden insbesondere die Wiesen der verlassenen Siedlungen von den umliegenden, noch bewohnten Dörfern mitgenutzt, während große Teile der dazugehörigen Ackerflächen der Wiederbewaldung anheim fielen (KRAUSCH, H. D., 1967).
17. - 19. Jahrhundert
Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kam es im 17. und 18. Jahrhundert zu Einwanderungswellen von Protestanten aus Frankreich, der Schweiz, aus Böhmen und der Pfalz sowie von jüdischen Familien aus Wien und mecklenburgischen Leibeigenen. Diese Einwanderer, welche aus religiösen Gründen oder durch drohende Leibeigenschaft ihre Heimat verließen, waren dem preußischen Staat zur Urbarmachung der verfallenen Landstriche willkommen. Sie besiedelten hauptsächlich die bisher nicht völlig wiederbewaldeten, wüsten Feldmarken. Rheinsberg entwickelte sich zu einem Zentrum der kulturellen Aktivitäten. Sie bauten neue Schlösser und Kirchen und erweiterten die Dörfer. Das Wegenetz wurde ausgebaut, mit Feldsteinen gepflastert und Alleen angelegt, von denen einige noch heute zu bewundern sind.
Das Bild der Landschaft änderte sich auch durch den Ausbau der Gewässer. So wurde 1750 mit dem Bau des Polzow- und Wentowkanals eine Transportverbindung vom Stechlin- über den Nehmitz-, Roofen- und Wentowsee zur Havel geschaffen. Die Havel wurde durch den Bau von Schleusen schrittweise schiffbar gemacht. Besonders durch die Nutzung des Polzowkanals zum Holzflößen, aber auch durch zunehmende Teerschweelereien, kam es zu einer weiteren Waldverringerung, die schon nach 40 Jahren zur Auflassung des Polzowkanals führte, da alle nutzbaren Holzreserven aufgebraucht waren.
Die im 18. Jahrhundert gegründeten Glashütten hatten ebenfalls einen beträchtlichen Energiebedarf, was dazu führte, dass die Seen um Zechlinerhütte eigens für den Brennholztransport durch Kanäle verbunden wurden. Die letzten dieser Betriebe stellten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert ihre Produktion ein.
Mit der Einführung der planmäßigen Forstwirtschaft zum Ende des 18. Jahrhunderts kam es durch umfangreiche Aufforstungen ertragsschwacher Böden zu einer erneuten Zunahme der Waldfläche, die in abgeschwächtem Maße bis zur Gegenwart anhält.
20. Jahrhundert
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Gebiet zu einem wichtigen Erholungsraum für Berlin. Nach 1945 wurde der staatlich organisierte Erholungsbetrieb systematisch ausgebaut. In fast jeder Ortschaft entstanden zahlreiche Erholungseinrichtungen. Die Zeltplatzdichte im Rheinsberg - Fürstenberger Seengebiet galt als die höchste in der DDR. Das Bild der Offenlandschaft veränderte sich stark durch Ausräumung von Hecken, Feldsöllen und anderen „störenden“ Strukturelementen zur Einführung großer Schläge im Sinne agrarindustrieller Bewirtschaftungsmethoden. Die militärische Nutzung durch die deutsche Wehrmacht und später in noch größerem Maße durch die Streitkräfte der Roten Armee hat erhebliche Spuren hinterlassen. So sind zum Beispiel etwa 6 Prozent der Fläche des Altkreises Gransee Konversionsflächen.
11.06.2007
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Am Friedensplatz 9, 16775 Stechlin OT Menz, Referat GR 1 Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, Gudrun Quietzsch, Tel.: 03 30 82 / 407 - 0, Fax: 03 30 82 / 407-15, E-Mail: NP-Stechlin-Ruppiner-Land@LUGV.Brandenburg.de


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