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Seeadler auf Segelflugzeug (Foto: Thorsten Maixner)

Luftfahrtrelevante Vogelvorkommen

"Der Vogelflug als Grundlage der Fliegerkunst " nannte Otto Lilienthal 1889 sein Buch über Aerodynamik. Für ihn waren die Vögel Lehrmeister und die Natur das Vorbild.

Brandenburg ist international bedeutsames Vogel- und historisches Fliegerland. Verlaufen Begegnungen zwischen gefiederten und holz-, metall- oder kunsstoffbemantelten Piloten meist unproblematisch, manchmal sogar harmonisch - so suchen zum Beispiel Segelflieger und Störche oder Greifvögel oft gemeinsam kreisend die besten Aufwinde - können allzu nahe Berührungen in bestimmten Situationen auch für beide Seiten unangenehme Folgen haben.

Einerseits können Fahrten von Ballonen oder Flüge von Hubschraubern oder anderen Luftfahrzeugen in geringen Flughöhen über Rastgebieten von Zugvögeln aber auch über den Brutgebieten vom Aussterben bedrohter, besonders störungssensibler Vogelarten zu erheblichen Störungen führen.

Andererseits ist die Kenntnis und Beachtung von Vogelkonzentrationen Voraussetzung zur Vermeidung von Vogelschlägen im Luftverkehr.

Die Faszination "Naturerlebnis" teilen sowohl die, die sich in der Natur erholen und an der Beobachtung von Tieren in freier Natur erfreuen, wie auch die, die im Luftsport aus der Vogelperspektive die Geografie unserer Landschaften bewundern. Diese Faszination ist der gemeinsame Nenner und Ausgangspunkt für eine Strategie der Konfliktvermeidung durch gezielte Information.

Unter dem Leitbild "Kooperation statt Konfrontation" erarbeitete das Landesumweltamt Brandenburg (LUA) in der Arbeitsgruppe Luftfahrt und Naturschutz gemeinsam mit dem Umweltreferat des Deutschen Aero Clubs (DAeC), regional vertreten durch die Luftsportlandesverbände Brandenburg und Berlin, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) sowie Dienststellen der Bundeswehr Empfehlungen zur Vermeidung von Störungen wildlebender Vogelarten durch Luftfahrzeuge sowie zur Vermeidung von Vogelschlag.

Im Ergebnis dieser Arbeiten und mit Votum der Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz sind im Jahr 2007 erstmals nach einheitlichen, von Ornithologen und Luftfahrtexperten gemeinsam erarbeiteten Kriterien, bundesweit Gebiete mit störsensiblen und luftfahrtrelevanten Vogelvorkommen ausgewählt worden, für die eine temporäre oder ganzjährige Überflugvermeidung unterhalb von 600 Metern über Grund empfohlen wird.

Die als Aircraft relevant Bird Areas (ABA) bezeichneten Flächen wurden vom Bundesamt für Naturschutz zusammengefasst und der Deutschen Flugsicherung zur Veröffentlichung in den einschlägigen Luftfahrerkarten übermittelt. Damit kann sich erstmals bundesweit jeder Pilot im Rahmen seiner luftverkehrsrechtlich vorgeschriebenen Flugvorbereitung über solche sensiblen und ggf. vogelschlagsträchtigen Gebiete informieren und diese im Rahmen der Flugdurchführung meiden bzw. ausreichend hoch überfliegen. .

Weiter sind durch den DAeC und gefördert durch das BfN umfangreiche Ausbildungsunterlagen für die Luftfahrerausbildung erarbeitet worden. Ziel ist es, Piloten schon in der Luftfahrerausbildung für Natur- und Artenschutzbelange zu sensibilisieren, über sensible Gebiete Arten und Lebensräume sowie Konfliktpotentiale möglichst präzise zu informieren und praxisnahe Empfehlungen zu formulieren, die einerseits zum Natur und Artenschutz beitragen andererseits luftfahrtbezogene Kriterien nicht außer Acht lassen. 

In einer bundesweiten Umfrageaktion "Luftige Begegnungen", die sich sowohl an Luftsportler als auch an Naturschützer richtet, wird flankierend ermittelt, inwieweit die bisherigen Informationen, Empfehlungen und Gebietsdarstellungen zur Konfliktvermeidung beitragen. Zu den gemeldeten Fällen "gemeinsamer Luftsportaktivitäten" von Vögeln und menschlichen Fliegern gehört auch die mit oben stehendem Foto dokumentierte Situation in der sich ein Segelflieger aus Südbrandenburg befand, als auf dessen linkem Flügel ein Seeadler versuchte Platz zu nehmen. 

Über die genannten Aktivitäten hinaus, wird im Land Brandenburg in lokalen Kooperationen die Vereinbarkeit des Betriebes von Flugplätzen einerseits und des Schutzes von Vogelarten in herausragenden Schutzgebieten in der Praxis unter Beweis gestellt. Zu nennen sind insbesondere die freiwillige Selbstbeschränkung des Segelflugleistungszentrums Lüsse bei Belzig zur Vermeidung von Überflügen des Großtrappenschutzgebiets "Belziger Landschaftswiesen" bei An- und Abflügen oder die Kooperationsvereinbarung des Verkehrslandeplatzes Schönhagen mit der Verwaltung des Naturparks Nuthe-Nieplitz-Niederung zur Minimierung von Störwirkungen auf Brut- und Rastvögel im Umfeld des Flugplatzes.

Weitere Informationen

weitere Informationen  Bundesamt für Naturschutz (BfN)
weitere Informationen  Aircraft relevant Bird Areas (ABA)
weitere Informationen  Natursportinformationssystem
weitere Informationen  Deutscher Aero Club (DAeC)
weitere Informationen  Ausbildungsunterlagen des DAeC
weitere Informationen  Umfrageaktion "Luftige Begegnungen"
weitere Informationen  Naturpark Nuthe-Nieplitz-Niederung
weitere Informationen  Vogelschutzgebiete in Brandenburg
weitere Informationen  Steckbrief Seeadler


04.12.2009

Kontakt:
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Referat Ö 1 - Landschaftsentwicklung / CITES, Frank Plücken, Tel.: 033 201/ 442-214, Fax: 033 201/ 442-662, E-Mail: Frank.Pluecken@LUGV.Brandenburg.de