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Biosphärenreservat Spreewald: Regionalentwicklung


Leitlinien und Landnutzungsmodelle für die Zukunft

Der Spreewald hat in seiner jüngeren Nutzungsgeschichte tiefgehende Veränderungen erfahren. Intensive Melioration machte aus kleinteiligem Wiesenspreewald ausgeräumtes Saatgrasland. Jahrhunderte lang stabile Niederungsmoorböden verloren ihre Fruchtbarkeit. Artenreiche Fließgewässer wurden Entwässerungsrinnen. Dennoch weisen weite Teile des inneren Spreewaldes noch hervorragende Qualitäten einer alten Kulturlandschaft auf. Diese Qualitäten zu bewahren und vorhandene Schäden zu lindern, ist Ziel des Landschaftsrahmenplanes.

Abgeleitet aus den Schutzzielen und Geboten der Verordnung für das Biosphärenreservat werden deshalb folgende Leitlinien aufgestellt:

  1. Schutz der einmaligen Niederungslandschaft mit seinen fein strukturierten Fließgewässersystemen, artenreichen Feuchtwiesen und Niederungswäldern.
  2. Pflege, Nutzung, Gestaltung und Regulierung von Niederungsflächen mit einem naturnahen Wasserregime, hohen Grundwasserständen und periodischen Überstauungen in bestimmten Teilgebieten als Lebensräume der für den Spreewald typischen Tiere und Pflanzen. Bei diesen Maßnahmen sind die Nutzungsinteressen der ortsansässigen Bevölkerung in den Zonen II - IV angemessen zu berücksichtigen.
  3. Erhalt, Förderung und Stabilisierung von traditionellen Bewirtschaftungsformen wie Horstäcker, Streuwiesen und das dadurch entstandene kleinflächige Nutzungsmosaik.
  4. Schutz, Pflege und Förderung gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Arten in ihren Lebensräumen durch geeignete Maßnahmen (Landnutzung und Tourismuslenkung).
  5. Die Regenerierung ökologisch degradierter Meliorationsflächen und Fließgewässer zu weiträumig vernetzten ökologisch stabilen Lebensräumen. Durch standortgerechte Bodennutzung (ggf. Änderung der Nutzungsart), Schaffung eines Biotopverbundsystems und dem Schutz des Bodens vor Degradierung soll ein ökologisch leistungsfähiges und nachhaltiges Landnutzungsmodell angestrebt werden. Natürliche Wasserläufe, Feuchtbiotope und Niederungswälder sind Bestandteil einer so wieder hergestellten Landschaft und sollen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes gefördert werden.
  6. Die Förderung nachhaltiger Landnutzungsmodelle im Biosphärenreservat soll an die gestaltende Tradition der Land- und Forstwirte, der Jäger und Fischer dieser Kulturlandschaft anknüpfen. Dadurch sollen verträglichen Landnutzungen eine Existenzgrundlage gegeben und beispielhafte Lösungen für die Region entwickelt werden.
  7. Tourismus hat im Spreewald eine über 100 Jahre zurückreichende Tradition. Er vollzieht sich vor allem auf den Wasserwegen und kann über die Kahnfahrten gut gelenkt werden. Ergänzt durch Naturbeobachtung und Informationen über den Naturhaushalt und die Landbewirtschaftung ist er ein Instrument der Umweltbildung.
  8. Alle Formen der touristischen Nutzung sollen umwelt- und sozialverträglich sein. Dabei ist eine Vermeidung von umweltbelastendem Verkehr und die Förderung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln ein wichtiger Grundsatz.
  9. Die gebietstypische Siedlungsstruktur, die Einbindung der Dörfer in die Landschaft sowie die traditionelle Bauweise der Streusiedlungshöfe und Dörfer an den Fließen prägen diese Landschaft. Die Pflege, der Erhalt und die Entwicklung dieser Elemente sind ein wichtiges Gebot dieser Kulturlandschaft.
  10. Bestehende Beeinträchtigungen von Baulichkeiten an den Dörfern und in der freien Landschaft sollen durch Einbindung und Umgestaltung gemildert und ausgeglichen werden. Neue Vorhaben sollen sich an den Prinzipien der Vermeidung orientieren.


26.11.2009

Kontakt:
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Referat GR 4 Biosphärenreservat Spreewald, Eugen Nowak, Tel.: 03542/ 8921 -0, Fax: 03542/ 8921 -40, E-Mail: br-spreewald@lugv.brandenburg.de